Stand des Rechners: 21. März 2017
Gültigkeitsjahr: 2016

Zu diesem Zeitpunkt war der aktuellste Stand der BMF-Datensammlung zur Steuerpolitik:
Februar 2017, erschienen am 08. März 2017 (für das Jahr 2016)

Benutzerhinweise:
- Jahr auswählen und umzurechnenden Betrag eingeben.
- Bitte nur ganze Zahlen ohne Währung und ohne Trennpunkte.

Beispiel:
Kostete ein VW Golf CL (mit damals sehr ordentlichen 90 PS, einer Uhr(!) und einer Mittelkonsole *sic*) im Jahr 1990 stolze 22.635 DM, muss man das Jahr "1990" wählen und als Betrag "22635" eingeben.
Die ausgerechnete Summe kann man nun mit dem Preis für einen aktuellen VW Golf mittlerer Ausstattung vergleichen.


Was würde mich das Produkt heute kosten?

 

Was ist das hier?

Früher war alles billiger? Stimmt das wirklich? Hier kannst Du es mit dem Onlinerechner überprüfen. Die Berechnung nutzt die Daten des Bundesministeriums für Finanzen. Die Jungs sollten am besten wissen, was der Otto Normalverbraucher verdient.

Warum das alles:
Dauernd stehen in Artikeln Angaben wie: "Der Golf I kostete 1980 10.000 DM, dies sind heute umgerechnet ca. 5.000 EUR." – da fällt jedem sofort auf, dass das Unsinn ist. Es gab nie einen neuen Golf zu so einem Kurs.

Die korrekte Frage wäre also: Ist ein Golf X heute teurer als damals ein Käfer, Golf I oder Golf II? Daten eingeben und staunen!

Das richtige Ergebnis wäre:
ca. 12.000 EUR – statt der oft kolportierten 5.000 Euro. (Stand 2014)

Klar, das klingt langweilig und passt nicht zum Schema: "Früher war alles besser und billiger!"


Wie funktioniert das?


Er setzt das Verhältnis des ehemaligen verfügbaren Einkommens und des ehemaligen Produktpreises auf das aktuelle verfügbare Einkommen und errechnet daraus den Preis, den das Produkt heute kosten würde.

Dieser Rechner benutzt als Grundlage die Datenbasis des Bundesministeriums für Finanzen für einen verheirateten (oder in einer Lebensgemeinschaft lebenden), alleinverdienenden Arbeitnehmer mit zwei Kindern. Ab 2005 werden die Daten eines Doppelverdienerhaushaltes mit zwei Kindern (2/3 zu 1/3, Steuerklasse III/V) zu Grunde gelegt. Diese sind für frühere Zeiträume nicht verfügbar.

Prinzipiell gilt: das verfügbares Jahresgehalt abzüglich Steuern, zuzüglich Zulagen wie Kindergeld, ist der Geldbetrag der dem Haushalt zur Verfügung steht. Dieser bildet hier die Berechnungsgrundlage.



Gibt es Diagramme dazu?

Schön, dass Du fragst, denn ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.
Hier gibt es die Diagramme zur Einkommensentwicklung, zur Einkommensveränderung und zur Kaufkraftäquivalenz.

Die Daten des DeStatis bezogen sich auf 100% Gehalt, die im Jahr 1995 festgelegt wurden. Ich habe die Daten des BMF für dieses Jahr verwendet, da ich schauen wollte, ob die Kurve nachvollziehbar ist.

Die Daten des INSM *sic* rechnen uns alle ärmer. Auch wenn dort die Transferleistungen nicht berücksichtigt sind und es sich um einen Alleinverdiener handelt, so sind deren Gehaltsangaben weit unterhalb der der offiziellen Quellen.
Ich sage es mal so: Ist halt für Arbeitnehmer bei Gehaltsverhandlungen doof, wenn der Chef einem mit dem INSM-Flyer zeigt, dass man doch bereits ein weit überdurchschnittliches Salär erhalten würde.




Gibt es Quellenangaben?

Ja, natürlich. Primäre Quelle sind und bleiben die Daten des Finazministeriums. Das BMF sollte am genauesten wissen, wie hoch die Jahresgehälter der Bevölkerung sind.

Zeiträume und Differenzen

Das BMF liefert also die aktuellen (1960 bis heute) Daten. Für die Zeit davor gibt es aber keine Erhebungen durch das Ministerium. Jetzt kommt das Statistische Bundesamt (DeStatis) ins Spiel, die haben die Daten von 1948 bis heute... aber... huch! Diese Daten unterscheiden sich ja von denen des BMF!
Demnach wären wir alle viel "reicher" als das BMF behauptet!
Oha!
Also dann eben die Daten der Rentenkassen? Die haben die Daten von 1891 bis heute!
Oh weia!
Demnach wären wir alle viel "ärmer" als uns das BMF erzählt!

Wie gesagt: Für mich ist das BMF die vertrauenswürdigste Quelle. Wenn man sich die Daten ansieht, dann bemerkt man, dass die sich immer weniger unterscheiden, je weiter man in der Vergangenheit zurückgeht. Bis in die 1970er-Jahre lag die Differenz zwischen den Angaben des BMF und der Rentenversicherung zwischen 0 und 5 Prozent. Ab 1995 bei 10% laufend steigerd bis sie 2015 bei 26% ankam. Dabei waren die Angaben der Rentenversicherung immer geringer als die des BMF.

Scheren
Ab den 1980er-Jahren (mit dem Ende des Wirtschaftswunders, dessen Abschwung mit der Ölkrise in den 1970ern einherging) ging die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Die versicherungspflichtigen Arbeitnehmer verdienten weniger – oder die Rentenversicherungen nahmen weniger Beiträge ein. Ab der Wiedervereinigung steigerte sich dieser Effekt noch.

Da liegt auch das Problem der Daten des Finanzamtes: Die weiter auseinander gehende Schere zwischen Arm und Reich verfälscht diese Daten. Aber laut DeStatis sollen ja die Jahresdurchschnittsgehälter noch viel höher liegen, als nach dem BMF. Dazu kommt noch, dass ich eben hier den klassischen Vier-Personen-Haushalt zugrunde lege. Warum eigentlich? Nun, der Rechner befasst sich mit der Vergangenheit – und früher war ein Vier-Personen-Haushalt eben üblich. DeStatis veröffentlicht aber seit 1999 solche Daten nicht mehr – nur noch einen allgemeinen Verbraucherindex.

Fazit
Wie dem auch sei: Die Daten des DeStatis bekomme ich auch (und gerade) über die Jahre nicht mit den Daten des BMF und denen der Rentenversicherung unter einem Hut. Da stimmt nicht einmal im Ansatz die Steigerungsrate.
Folglich gründet dieser Rechner (siehe auch weiter unten "Teuerungsrate") von 1891 bis 1960 auf den Daten der Rentenversicherung und ab 1960 auf den Daten des BMF.


Wieso gibt es eine Lücke in den 1920er Jahren?

1922 und 1923 war die Inflation so hoch, dass es dazu keine Daten gibt. Ältere erzählten dazu immer wieder gerne folgende Geschichten:
"Die Mutter ging mit einem Wäschekorb voller Geld zum Bäcker. Als sie dort ankam, war das Geld wieder so wenig wert geworden, dass es nicht für ein Brot reichte."
"Der Opa verkaufte 1921 sein Haus und freute sich sehr über den schönen Gewinn. Ein Jahr später konnte er für das Geld nur noch ein Laib Brot kaufen."


Wieso gibt es keine "Brüche" in den Diagrammen, wie beim Euro?

Beim Euro war der Wechselkurs 1:1,95583. Es gab zwar während der Währungsreform 1948 einen Umrechnungskurs für Barvermögen, der bei ca. 10:0,65 lag, aber alle laufenden Posten wie Gehälter, Steuern und Mieten wurden mit einem Verhältnis von 1:1 festgelegt. Wir entsinnen uns: Damals blühte der Schwarzmarkt und es waren Unmengen an Bargeld im Umlauf. Beispiel: Eine Konservendose us-amerikanisches Corned Beef konnte 1947 über 1.000 RM kosten. So wurde der Preis dafür auf 65 DM gedeckelt. Immer noch verdammt viel Geld, aber es galt eben "Angebot und Nachfrage".

Wie lautet die Formel?

Meine Formel für die Jahre vor 2002:
Heutiger Preis = (aktuelles Jahresgehalt/(damaliges Jahresgehalt/Preis))/Eurowechselkurs 2002
(Wechselkurs war: 1:1,95583)

...und die für nach 2002:
Heutiger Preis = aktuelles Jahresgehalt/(damaliges Jahresgehalt/Preis)


Wieso gibt es hier keine Teuerungsrate?

Die eigentliche Grundidee ist, dass die durchschnittliche Bevölkerung nicht "reicher" wird. Einige Publikationen gehen sogar davon aus, dass sich jüngere Generationen weniger leisten können als die Elterngeneration. Ich gehe also davon aus, dass die Inflation fortlaufend durch Gehaltserhöhungen mehr oder weniger ausgegelichen wird.


Wieso steigt mein Einkommen nicht so wie im Diagramm dargelegt?

Das liegt an der sich öffnenden Schere zwischen Arm und Reich. Steigt Dein Gehalt nicht, gehörst Du vermutlich eher zur (weiter schwindenden) Mittelschicht. Die Hans-Böckler-Stiftung stellte 2016 fest, dass 10% der Bevölkerung über 50% des Nettovermögens besaßen (Vermögen ist nicht gleich Einkommen, aber es gibt natürlich auch Kapitalerträge – und Steuern darauf). Die untersten Schichten besitzen nur 1% des Nettovermögens. Menschen aus der Mittelschicht steigen aber immer seltener auf, sie rutschen heute schneller in die Armut als früher. Das Jahresdurchschnittsgehalt wird also weiter steigen, nur eben ohne Dich.


Wieso rechnest Du nicht mit Brot- oder Immobilienpreisen?

Warum sollte ich das? Die Bedürfnisse der Menschen verscheiben sich immer und immer wieder. In der freien Marktwirtschaft herrschen Angebot und Nachfrage. Die Menschen sind (in einer idealisierten Welt) eben nicht bereit mehr als einen gewissen Prozentsatz ihres Einkommens für ein gewisses Produkt (oder eine Dienstleistung) zu bezahlen.

Ausserdem: Soll ich den Preis für ein Brot ansetzen, welches Annodunnemal aus lokal angebauten, per Hand geernteten Rohstoffen von Bäcker auf der anderen Straßenseite in Handarbeit gebacken wurde? Heute ist die Brotfertigung bei den meisten Bäckern ausgelagert worden. Die backen nur noch industriell gefertigte Rohlinge auf, die dort produziert werden, wo es momentan am günstigsten ist.

Und ja: Mir ist klar, dass man von den 100% Gehalt, die man zur Verfügung hat, heute aus mehr Produktgruppen wählen kann. Früher gab es keine/weniger Weisse Ware, einfachere Unterhaltungselektronik und keine Informationstechnologie. Auf der anderen Seite ändert sich aber auch beständig die Wertung, was "notwendig" für ein Leben in unserer Gesellschaft ist – und was nicht. Früher war ein Radio ein pfändbares Luxusgut, dann wurde es ein unpfändbarer Apparat für die Informationsbeschaffung. Heute ist ein Radio quasi obsolet und wurde durch das Smartphone ersetzt.



Wofür ist der Korrekturfaktor gut?

Das Verhältniss des Einzelverdienerhaushaltes zu einem Doppelverdienserhaushalt lag 2005, der erstmaligen Veröffentlichung dieser Daten, bei 1:1.598. Dieses Verhältnis stieg bis 20014 – im Schnitt um 0,01 Punkte – auf letztlich 1:628 (Stand 2016).

Leider benötige ich für die Datenbasis von vor 2005 diesen Korrekturfaktor. Dieser wird auch künftig jedes Jahr um 0,1 Punkte steigen, da alle äteren Daten vor 2005 mit 1:1,5945 (-0,1/Jahr) umgerechnet werden. Dies ändert nichts an den Daten an sich, die bleiben natürlich völlig unverändert, sondern hilft, nur sie auch weiterhin vergleichbar zu machen. Es zählt nur das Verhältnis der Einkommen zueinander.

Die Gegenprüfung fand mit den Daten für den Einverdienerhaushalt der letzten 55 Jahre statt. Die Abweichung von den echten Daten zu den durch den Korrekturfaktor errechneten liegt in den Endergebnissen der jeweiligen Jahre bei 100,- EUR/DM Ausgangswert bei maximal +/- 1,- EUR/DM. Der Korrekturfaktor hat also ca. 1% nicht-progressive Ungenauigkeit. Damit kann ich leben.

Die Gründe für die sich öffnende Schere zwischen den Einzel- und Doppelverdienerhaushalten liegen primär darin, dass der klassische Einzelverdienerhaushalt der Wirtschaftswunderjahre nicht mehr die Lebenswirklichkeit in der Bundesrepublik wiederspiegelt. Diese Daten weiterhin zu verwenden, würde den Rechner am Ende unbrauchbar machen.



Ist das Ergebnis genau?

Dieser Rechner ist so genau, wie es die Daten des Bundesministeriums für Finanzen sind. Ich habe ihn nach besten Wissen und Gewissen erstellt und mir sehr viele Gedanken gemacht, welche Datenbasis vertrauenswürdig ist. Man darf aber nicht vergessen, dass sich viele Produkte (nicht nur Produktkategorien!) im Laufe der Zeit unterschiedlich entwickelt haben. Letztlich spielen auch viele volkswirtschaftliche Faktoren eine Rolle, so dass das Ergebnis natürlich nur eine grobe Näherung darstellen kann. Die eigentliche Grundidee ist, dass die durchschnittliche Bevölkerung nicht "reicher" wird. Einige Publikationen gehen sogar davon aus, dass sich jüngere Generationen weniger leisten können als die Elterngeneration.

Ja, die durchscnittliche Bevölkerung und deren Einkommen... was ist das genau? Es liegt natürlich auf der Hand, dass die Einkommensverteilung keiner gaußschen Normalverteilung entspricht. Tatsächlich geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf, was auch schon die OECD festgestellt hat. Der Ginikoeffizient verschlechterte sich in Deutschland weit mehr als in jedem anderen Land der OECD. Eigentlich müsste ich den Ginikoeffizienten, bzw. die Lorenz-Kurve auch noch in meine Berechnungen einfließen lassen. Die durchschnittliche Kaufkraft nach meinem Rechner würde dann aber extrem abnehmen – und mit ihr vermutlich auch die Akzeptanz des Rechners, oder?

Je weiter man in die Vergangenheit geht, um Einkommens- und Ausgabendaten mit denen von heute zu vergleichen, desto ungenauer wird die ganze Sache selbstverständlich ebenfalls.

Die Bundesbank hat die Problematik des Kaufkraftvergleiches historischer Währungen genauer ausgeführt.



Ist das aktuell?

Nicht ganz. Das BMF veröffentlicht die Daten meist Ende März, bzw. Anfang April des Folgejahres. Ich muss diese dann noch einpflegen.

Ausführlichere Informationen zur Datensammlung findet Ihr in meinem Artikel "Früher war alles billiger?".



Was ist mit der DDR-Mark?

Ich arbeite daran. Eine belastbare Datenbasis dafür zu finden ist nicht trivial. Die Mark der DDR war eine Binnenwährung.
Der offizielle Kurs in der DDR war 1:1.
Inoffiziell konnte man die Mark im Westen
1950 1:6,
1970 1:1,8,
1975 1:2,2
1980 1:2,5
1987 1:4
1988 1:4,4
1989 1:3
1990 1:1, 1:3 und letzlich 1:2
tauschen.

Auf der Strasse lagen die Kurse zwischen 1:5 und 1:20, je nachdem.
Das Problem war ja auch die Illegalität der Ausfuhr (und damit natürlich auch der Einfuhr!) der Mark aus der DDR.

Ich kann keine Preise von Produkten des täglichen Lebens als Anhalt oder auch nur für eine Verifizierung der spärlich vorhandenen Daten verwenden, denn die meisten Produkte hatten eine staatliche Preisbindung (Einzelhandelsverkaufspreis, aka EVP).

Im Netz kann ich nur Bruchstücke von Daten finden. Einige scheinen völlig an den Haaren herbeigezogen zu sein. Andere wurden offenbar aus dem offiziellen Inlandsprodukt der DDR genommen und einfach durch die Zahl der Erwerbstätigen geteilt. Dolle Show.

Die quellenlage ist ein Desaster, vieles scheint nicht digitalisiert worden zu sein. Ich werde Antiquariate für weitere Recherchen besuchen müssen.

"Pffffft!" – das war tatsächlich(!) das Geräusch der Mitarbeiter bei der Bundesbank, dem Statistischen Bundesamt und des Bundesamtes für Finanzen, als ich von denen Daten für die Jahre von 1960 bis 1989 aus der DDR haben wollte. Aber wir bleiben in Kontakt. :-)



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