Eines ist, war und wird auch immer an einem Espace J63 defekt sein: Die serienmäßige, hydraulische Scheinwerferhöhenverstellung! Klar, es gibt Anleitungen zum Umbau auf die ebenfalls hydraulische Höhenverstellung des Lada Niva oder gleich auf eine der elektrischen Art. Ich für meinen Teil wollte aber nur den "schweren Mangel" für den TÜV abstellen. Ob das Ganze nach einer Woche noch funktionieren sollte, ist mir vollkommen egal.

Haftungsausschluss:

Was immer Ihr mit Eurem Auto anstellt: Ihr habt es getan, nicht ich. Ich bin nicht schuld! Ihr müsst wissen, was Ihr da eigentlich macht. Wenn Ihr es nicht wisst: Lasst es, bevor andere zu Schaden kommen! Jeder ist für seine Taten verantwortlich. Ihr springt ja auch nicht von einer Brücke, wenn ich es Euch sage, oder? Beachtet bitte, dass durch das Herumfummeln an den Scheinwerfern andere Verkehrsteilnehmer stark geblendet werden können. Immer auf korrekte Einstellungen achten!

Für die temporäre Reparatur – denn sie wird vermutlich nur wenige Tage lang halten – benötigt Ihr eine Spritze (Apotheke, wenige Cent), ein Stück Schlauch (Belüftungsschlauch für Aquarien) und etwas Glykol (Kühlerfrostschutzmittel). Frostschutz und Schlauch bekommt Ihr in großen Baumärkten. Die Arbeiten werden etwa 10 Minuten in Anspruch nehmen, nicht mehr.

Nachtrag: Das hielt bis zum Verkauf des Espace einige Jahre später. Hätte ich nicht erwartet.

Der Höhenregler sollte auf der Position "0" stehen. So dass noch vorhandene Hydraulikflüssigkeit möglichst unter Druck steht.

(Der Nehmerzylinder am Scheinwerfer)

Jeweils an den Aussenseiten der Scheinwerfer findet Ihr am Ende der schwarzen Hydraulikleitungen die Verstellzylinder. Ihr könnt diese eine knappe viertel Drehung verdrehen, bis sich sich lösen. Mutige ziehen nun den Zylinder einfach kräftig raus, ungeachtet, dass der Kugelkopf des Zylinders noch im Scheinwerfer steckt. Hasenfüsse fummeln mit den Fingern oder einem Schraubendreher an der Halterung herum. Ich habe gezogen.

(Ausgebauter Nehmerzylinder) 

Wir sehen nun, dass der Zylinder unten eine große Nase hat. Diese muss beim späteren Einbau in die untere Aussparung der Aufnahme gesteckt werden.

(Verschlussstopfen am Nehmerzylinder)

Die Zylinder sind mit einem Messingstopfen verschlossen, den wir aber sehr leicht mit einem kleinen Saitenschneider herausziehen können. Eine Normale Zange scheitert, da diese zu groß sind und am Kopf des Stopfens abrutschen. Passt auf, dass nicht noch etwas Druck im System ist und Euch der Stopfen nicht wegfliegt.

(Entfernter Stopfen)

Den Stopfen legen wir nun sehr, sehr sorgfältig zu Seite, damit er nicht verloren geht.

Jetzt füllen wir die Spritze mit Glykol. Getriebe- oder Servoöl ginge auch, aber wenn das rumspritzt, dann ist die Sauerei groß, Glykol ist da nur halb so wild. Letztlich ist es auch schonender zu den Kunststoffelementes der Höhenverstellung.

(Glykol)

(Gefüllte Spritze)

Den Schlauch stecken wir auf die Spritze, das passt wie Arsch auf Eimer, aber auf den Stutzen des Zylinders will er nicht so recht passen. Kein Problem, da nehmen wir einen mittleren Flachschlitzschraubendreher und weiten mit diesem kräftig das Ende des Schlauches. Ruhig kräftig reinstecken, verkanten und wieder rausziehen – der Schlauch wird nicht reissen, der ist zäh.

(Passprobe: sitzt 1a!)

Dann ziehen wir mit dem Schlauch möglichst blasenfrei (was de facto durch die Luft im Schlauch nicht funktionieren wird) Glykol aus der Flasche in die Spritze. Spritze nach oben halten, Schlauch nach unten, etwas gegen den Kolben klopfen, damit die Luftblase nach oben steigt. Gegebenenfalls jetzt die Luftbläschen aus dem Schlauch mit der Spritze drücken.

(Spritze mit Zylinder verbunden)

Das Schlauchende kommt wieder auf den Stutzen des Zylinders. Er wird durch das Glykol abrutschen und sich mit den Fingern nur schlecht weiter hoch schieben lassen, aber wofür gibt es Kombizangen? Sitzt der Schlauch korrekt dicht auf dem Stutzen, so drücken wir etwas Glykol in das System, stellen den Regler der Höhenverstellung auf "0" und drücken wieder etwas Flüssigkeit in das System. Schlauch abziehen, Stopfen aufstecken. Fertig!

So, bei mir reichte das schon aus, aber es kann sein, dass Euer System völlig leer ist. In diesem Fall müsst Ihr die Schläuche am Regler abziehen und von dort mit der Spritze das System füllen, bis an den Zylindern Glykol austritt. Füllt Ihr das System von aussen, so läuft Euch die Sosse auf die Fussmatten. Jeder Scheinwerfer hat eine eigene Leitung, die durch je einen Geberzylinder im Regler unter Druck gesetzt wird.

(Regler auf Sufe 3) 

(Zylinder eingefahren)

Ist der Regler auf Stufe 3, also auf "Beladen", so ist kein Druck im System und der Zylinder ist eingefahren.

(Stufe 0)

(Zylinder ausgefahren)

Sicher könnte der Zylinder in diesem Beispiel weiter ausgefahren sein, für den TÜV muss das aber reichen. Hauptsache, da bewegt sich was. Tongue out  Ich hätte natürlich auch die Zylinderstangen weiter rausziehen können, aber ich hatte keine Gripzange zum arretieren zur Hand. 

Der Zylinder wird nun wieder in die Aufnahme gesteckt, Nase nach unten, und durch Drehung arretiert. Mit den Finger auf der Innenseite durch das Loch neben dem Zylinder in den Scheinwerfer greifen und die Halteplatte des Scheinwerfers Richtung Zylinder ziehen, bis der Kugelkopf hör- und fühlbar einrastet.

So, die ganze Prozedur nun auch noch auf der anderen Seite – Ihr werdet sehen, dass Ihr dafür nur noch zwei Minuten benötigt. Wenn man es einmal gemacht hat, geht es leicht von der Hand. 

Natürlich müssen nun die Scheinwerfer wieder eingestellt werden.

Hat das System den Druck wieder verloren (und das wird es garantiert), so habt Ihr die Wahl, ob Ihr die Prozedur wiederholt, oder die Scheinwerfer bis zum nächsten TÜV manuell einstellt. Beachtet bitte, dass bei einem Druckverlust die Scheinwerfer nach unten leuchten.

Wollt Ihr Euch ein dauerndes Nachstellen ersparen, so macht das System drucklos, indem Ihr die Messingstopfen wieder abzieht und den Regler auf Stufe 0 stellt. Kommt Ihr aus zeitlichen Gründen nicht zeitnah zum TÜV, so würde ich die Scheinwerfer auf Stufe 3 nach den Arbeiten stellen, damit nicht ständig Druck auf dem System ist und der Kram auch noch bei der Vorstellung funktioniert.

Moralapostel packen nun wieder den mahnenden Zeigefinger aus. Verkehrsgefährdung, etc. pp. Ja, stimmt, ist alles korrekt. Punkt. Gibt es auch keine Diskussion. Ich spreche ja auch nur von meiner Situation, ich fahre nachts nicht mit einem vollbeladenen Auto herum und selbst wenn das einmal vorkommt, dann stelle ich mir vor, es wäre 25 Jahre alt. Solche Autos brauchen ja auch keine Höhenverstellung.  Die anderen Verkehrsteilnehmer müssen dann eben auch phantasiebegabt sein. Tongue out

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